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Von Ivo Killer · Mitgründer von Mikrix

Analysezertifikat lesen: was ein CoA aussagt

CoAAnalysezertifikatReinheit1H-NMRNMN

Wer NMN kauft, kauft ein weisses Pulver. Ansehen kann man ihm nichts. Ob darin das drin ist, was draufsteht, lässt sich nur mit einem Laborgerät feststellen, und das Ergebnis einer solchen Prüfung ist ein Analysezertifikat.

Im Handel heisst es meist CoA, kurz für Certificate of Analysis. Viele Anbieter werben damit, dass sie eines haben. Weniger zeigen es. Und fast niemand erklärt, wie man es liest.

Genau darum geht es hier. Der Artikel geht ein Zertifikat von oben nach unten durch, erklärt die Zeilen, die wirklich zählen, und benennt am Ende die Grenzen: ein CoA sagt viel, aber nur über das, was auch geprüft wurde.

Was ein CoA überhaupt ist

Ein CoA ist der Bericht eines Labors über eine einzelne Warenprobe. Das ist der wichtigste Punkt und der am häufigsten übersehene: geprüft wird nicht das Produkt, sondern eine Charge davon.

Eine Charge ist die Menge, die in einem Produktionsdurchgang entstanden ist. Die nächste Charge ist neue Ware und braucht eine neue Prüfung. Ein Zertifikat ohne Chargennummer ist deshalb wertlos, denn dann lässt sich nicht sagen, worauf es sich bezieht.

Daraus folgt eine einfache Prüfung, die jeder machen kann: Steht auf der gelieferten Packung dieselbe Chargennummer wie auf dem Zertifikat? Wenn nicht, gehört das Papier nicht zur Ware.

Die Angaben im Kopf

Der obere Teil eines Prüfberichts beantwortet vier Fragen, und alle vier sollten beantwortet sein. Abbildung 1 zeigt den Aufbau eines solchen Berichts im Schema.

Abbildung 1 Prüfbericht im Schema, mit Hinweisen am Rand
SCHEMATISCHER AUFBAU, KEIN ECHTER BERICHT SCHEMA Prüfbericht SCHEMA PRÜFLABOR unabhängiges Labor in Deutschland Anschrift PROBENBEZEICHNUNG NMN, weisses Pulver CHARGE 2026-07 EINGANG DER PROBE AUSSTELLUNG DES BERICHTS Datumsfelder, im Schema bewusst leer BERICHTSNUMMER im Schema bewusst leer PRÜFMETHODE 1H-NMR Protonen-Kernspinresonanzspektroskopie ERGEBNIS DER GEHALTSBESTIMMUNG 100,9 ± 1,5 % Messwert und Messunsicherheit PRÜFUMFANG Gehalt, bestimmt mit 1H-NMR Blei, Cadmium, Arsen, Quecksilber Weitere Prüfungen sind nur belegt, wenn sie hier stehen. 1 Wer geprüft hat Absender und Anschrift des Labors. Ohne erkennbarenAbsender ist ein Prüfbericht kein Prüfbericht. 2 Was geprüft wurde Bezeichnung der Probe, die im Labor eingegangen ist. 3 Chargennummer Muss mit der Nummer auf der Packung übereinstimmen.Sonst gehört das Papier nicht zu dieser Ware. 4 Zwei Daten, nicht eines Eingang der Probe und Ausstellung des Berichts.Wochen dazwischen sind normal und kein Mangel. 5 Berichtsnummer Die Handhabe für eine Rückfrage beim Labor. 6 Methodenzeile Sie ordnet die Zahl darunter erst ein. Ohne Methodebleibt ein Ergebnis unlesbar. 7 Ergebnis mit Messunsicherheit Messwert und Spanne des Verfahrens gehören zusammenund werden immer zusammen gelesen. 8 Prüfumfang Belegt ist nur, was aufgeführt ist. Fehlt eine Zeile,wurde danach nicht gesucht.

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Abbildung 1. Schema, kein echter Prüfbericht. Der linke Teil zeigt den Aufbau eines Analysezertifikats Feld für Feld, die Ziffern am Rand erklären, wofür die jeweilige Zeile steht. Ausgefüllt sind nur Angaben, die im Artikel ohnehin stehen: Charge, Methode und das Ergebnis der Gehaltsbestimmung. Datums- und Nummernfelder bleiben als leere Balken stehen, damit die Darstellung keinem gedruckten Bericht ähnelt. Laborname, Logo und Unterschrift fehlen absichtlich.

Schema, kein Faksimile und kein echter Prüfbericht. Aufbau nach den im Artikel beschriebenen Pflichtangaben eines Analysezertifikats. Ausgefüllt sind nur Angaben, die im Artikel ohnehin stehen: Charge, Methode und Ergebnis der aktuellen Charge. Datums- und Nummernfelder bleiben als leere Balken stehen, es sind keine Werte erfunden. Handgesetztes Inline-SVG.

Wer hat geprüft. Name und Anschrift des Labors. Ein Prüfbericht ohne erkennbaren Absender ist kein Prüfbericht.

Was wurde geprüft. Die Probenbezeichnung, die Chargennummer und idealerweise die Menge der eingereichten Probe.

Wann wurde geprüft. Hier stehen oft zwei Daten, und die verwechselt man leicht. Das Eingangsdatum sagt, wann die Probe im Labor ankam. Das Ausstellungsdatum sagt, wann der Bericht fertig war. Dazwischen können Wochen liegen, das ist normal und kein Mangel.

Welche Nummer trägt der Bericht. Jedes Labor vergibt eine eigene Berichts- oder Projektnummer. Sie ist die Handhabe für eine Rückfrage: mit ihr kann man beim Labor nachfragen, ob der Bericht echt ist.

Die Methodenzeile ist wichtiger als die Zahl

Fast jeder Anbieter nennt eine Reinheitszahl. Deutlich weniger nennen die Methode, mit der sie zustande kam. Dabei entscheidet erst die Methode, was die Zahl bedeutet.

Bei NMN sind zwei Verfahren üblich.

HPLC trennt ein Gemisch in seine Bestandteile und misst, wie gross der Anteil des gesuchten Stoffes an der Summe aller erfassten Stoffe ist. Das Verfahren ist verbreitet, schnell und gut für Routineprüfungen. Seine Schwäche: es sieht nur, was der Detektor erfasst. Ein Begleitstoff, der nicht anspricht, taucht in der Rechnung nicht auf.

1H-NMR, ausgeschrieben Protonen-Kernspinresonanzspektroskopie, misst etwas anderes. Sie erfasst die Wasserstoffkerne im Molekül und liefert damit ein Bild seiner Struktur. Jede Baugruppe erzeugt ihr eigenes Signal an ihrer eigenen Stelle im Spektrum. Damit lässt sich nicht nur ein Anteil bestimmen, sondern die Identität des Stoffes belegen: das Spektrum passt zu NMN oder es passt nicht.

Beide Verfahren sind gültig, sie beantworten nur verschiedene Fragen. Wer eine Zahl ohne Methode nennt, gibt dem Leser keine Möglichkeit, sie einzuordnen. Das ist der eigentliche Grund, warum die Methodenzeile zählt.

Wie man eine Zahl mit Messunsicherheit liest

Auf einem Prüfbericht steht selten eine glatte Zahl. Meist steht dort etwas wie 100,9 ± 1,5 Prozent. Das irritiert, weil über 100 Prozent unmöglich aussieht.

Aufzulösen ist das so: Die erste Zahl ist der Messwert, die zweite die Unsicherheit des Verfahrens. Zusammen bilden sie einen Bereich, in diesem Fall von 99,4 bis 102,4 Prozent. Ein Wert über 100 heisst nicht, dass mehr Substanz da ist als möglich. Er heisst, dass das Ergebnis innerhalb der Messgenauigkeit bei 100 Prozent liegt. Abbildung 2 zeigt das als Ausschnitt einer Skala.

Abbildung 2 Messwert und Messunsicherheit auf der Skala
Ein Wert über 100 % heisst nicht mehr als möglich, sondern: das Ergebnis liegt innerhalb der Messgenauigkeit. 100 % Messwert 100,9 % 99,4 % 102,4 % Messunsicherheit ± 1,5 % gemessener Gehalt in Prozent 98 99 100 101 102 103 Dargestellt ist eine Gehaltsbestimmung dieser einen Charge. Eine Reinheitsangabe ist eine andere Aussage und wird hier bewusst nicht auf dieselbe Achse gelegt.

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Abbildung 2. Die Angabe 100,9 ± 1,5 % ist kein einzelner Punkt, sondern ein Bereich: der Messwert und die Unsicherheit des Verfahrens ergeben zusammen die Spanne von 99,4 bis 102,4 %. Ein Ergebnis über 100 % bedeutet deshalb nicht, dass mehr Substanz vorhanden wäre als möglich, sondern dass das Ergebnis innerhalb der Messgenauigkeit bei 100 % liegt. Dargestellt ist ausschliesslich die Gehaltsbestimmung dieser einen Charge. Die Reinheitsangabe ist eine andere Aussage, sie steht hier bewusst nicht auf derselben Achse.

Eigene Darstellung der im Artikel genannten Angabe 100,9 ± 1,5 % aus dem Prüfbericht der aktuellen Charge (1H-NMR). Die Intervallgrenzen 99,4 und 102,4 % sind daraus gerechnet, die Achse ist ein linearer Ausschnitt von 98 bis 103,5 %. Keine weiteren Messdaten dargestellt. Handgesetztes Inline-SVG.

Wichtig ist noch eine zweite Unterscheidung. Eine Gehaltsbestimmung misst, wie viel von der Substanz in der Probe ist, gemessen gegen einen Vergleichsstandard. Eine Reinheitsangabe sagt, wie frei die Probe von anderen Stoffen ist. Das sind zwei verschiedene Aussagen, und sie werden im Handel regelmässig vermischt.

Deshalb ist eine konservative Angabe die ehrlichere. Chargen schwanken. Wer nach einem einzelnen guten Messwert dauerhaft mit einer besonders hohen Zahl wirbt, verspricht etwas, das die nächste Charge womöglich nicht hält.

Was ein CoA nicht abdeckt

Hier liegt das grösste Missverständnis. Ein Analysezertifikat belegt genau die Prüfungen, die darin aufgeführt sind. Nicht mehr.

Ein Bericht, der nur die Gehaltsbestimmung enthält, sagt nichts über:

  • Schwermetalle. Blei, Cadmium, Arsen und Quecksilber werden nur erfasst, wenn sie ausdrücklich geprüft wurden.
  • Mikrobiologie. Keimzahl, Hefen, Schimmel.
  • Lösemittelreste aus der Herstellung.
  • Fremdstoffe, die das gewählte Verfahren nicht sieht.

Steht keine dieser Zeilen im Bericht, heisst das nicht, dass etwas gefunden wurde. Es heisst, dass nicht danach gesucht wurde. Beides klingt ähnlich und ist völlig verschieden.

Und noch eine Feinheit, die selbst auf gedruckten Berichten Verwirrung stiftet: Steht neben einem Wert „< BG” oder „unter der Bestimmungsgrenze”, dann heisst das nicht „nicht vorhanden”. Es heisst, dass das Gerät unterhalb dieser Schwelle keine verlässliche Aussage mehr trifft. Wer daraus „frei von Schwermetallen” macht, sagt mehr, als der Bericht hergibt.

Woran man ein belastbares Zertifikat erkennt

Fünf Punkte, die sich ohne Fachwissen prüfen lassen:

  1. Chargennummer vorhanden und identisch mit der auf der Packung.
  2. Labor benannt, mit Anschrift und Berichtsnummer.
  3. Methode genannt, nicht nur ein Ergebnis.
  4. Datum vorhanden und zur Charge passend.
  5. Vollständiger Bericht, nicht ein herausgeschnittener Ausschnitt mit der schönsten Zahl.

Fehlt einer dieser Punkte, ist das noch kein Beweis für schlechte Ware. Es ist aber ein Grund nachzufragen, und wie ein Anbieter auf diese Nachfrage reagiert, ist selbst eine Auskunft.

Das Zertifikat zur aktuellen Charge

Zum Vergleich das eigene Beispiel. Das Analysezertifikat zur aktuellen Charge ist vollständig einsehbar, nicht als Ausschnitt.

AngabeWert
Charge2026-07
CAS-Nummer1094-61-7
Methode1H-NMR
Reinheit>99 %
PrüfungUnabhängiges Labor in Deutschland

Der Bericht enthält zusätzlich die vier Schwermetalle Blei, Cadmium, Arsen und Quecksilber. Alle vier Werte liegen unterhalb der jeweiligen Bestimmungsgrenze des Verfahrens. Nach dem Abschnitt weiter oben heisst das: unterhalb dieser Schwelle trifft das Gerät keine verlässliche Aussage mehr. Es heisst nicht, dass nichts vorhanden ist.

Die ausgewiesene Reinheit lautet >99 Prozent und nicht mehr, obwohl der gemessene Gehalt höher liegt. Das ist Absicht und folgt genau der Überlegung aus dem Abschnitt zur Messunsicherheit.

Was NMN chemisch ist und warum sich die Substanz mit Kernspinresonanz so gut identifizieren lässt, steht im Übersichtsartikel Was ist NMN?.


Hinweis: Die hier genannten Informationen dienen der wissenschaftlichen und produktbezogenen Einordnung und stellen keine Gesundheitsberatung dar. NMN wird von Mikrix ausschliesslich als Forschungschemikalie vertrieben.

Mikrix NMN Pulver ist in verschiedenen Grössen als Beutel oder Dose erhältlich.